In Iran herrscht seit dem Wahlausgang von 12. Juni kommunikativer Ausnahmezustand. Ausländische Journalisten stehen unter Hausarrest, eine Berichterstattung ist so gut wie nicht möglich. Alles, was an Bildmaterial über die Proteste gegen das Wahlergebnis, und den Wahlsieg Mahmud Ahmadinedschads, den Kanälen der hiesigen Medien zukam, ist von privaten Kameras, von privaten Handys mit Kamerafunktion zu ihnen gekommen. Tagesthemen und Konsorten können sich derzeit nicht anders helfen als von den Presseagenturen als „belegbar” anerkannte Dokumente zu veröffentlichen. Internetplattformen wie flickr*, facebook und andere haben wenigstens einen Ausweg geboten, die staatliche Zensur der Presse zu umgehen. Seit jeher war das Internet aber auch im Visier der Staatsschützer, so dass Spionage von vermeintlichen Systemfeinden, hier: blogger und andere social-community-user, an der Tagesordnung stand. Das Internet lässt sich aber nicht so leicht kontrollieren und auch ist der Zusammenhalt unter den Nutzern stark. So haben dann viele twitter-Nutzer, um Verwirrung zu stiften ihren Location-Spot geändert und gaben an in Teheran, Iran zuhause zu sein, so dass die Schnüffler an falschen Fährten schnüffeln müssen. Doch nun sieht es so aus, als wäre es dem Regime Chamenei und Ahmadinedschad gelungen, die mobile Kommunikation restlos zu unterbinden. SMS-Kanäle werden durch das Abschalten des Mobilfunknetzes gesperrt, Seiten wie facebook und andere können meist nur noch über Umwege auf Proxy-Servern erreicht werden. Nun also auch Festnahmen derer, die mit ihren Mobiltelefonen versuchen die Außenwelt mit Informationen zu versorgen.
Das Handy ist zu einem Instrument des Widerstands geworden. Die Verknüpfung mit dem Internet lässt das wahre Potential der Agitation zum Vorschein kommen. Anhänger des Oppositionsführers Hossein Mussawi haben es schwer heutzutage, ihre Web-Seiten sind blockiert und ihnen selbst drohen Prügel- und Gefängnisstrafen. Augenzeugen berichten über prügelnde Staatsgewalt gegenüber Handyjournalisten. Der letzte Schritt zur vollkommenen Isolation des Landes, ähnlich wie in Nordkorea ist die definitive Blockade des Internetzugangs in Iran.
Der derzeitige Trend zeigt, dass immer weniger Material in die Kanäle eingespeist wird. Ein Sieg für die Mullahs?
Noch funktioniert das Internet in Iran, wenn auch langsam, man ist auf das Festnetz ausgewichen seit man keine SMS mehr senden kann. Hier kommt dann der Zusammenhalt der Internetnutzer zutage. Um einen schnelleren Internetzugang für die iranische Bevölkerung zu gewährleisten, hat die Organisation Avaaz.org zu einer Spendenrunde aufgerufen, um Server bereitzustellen und die Bandbreite dieser zu erweitern, von dem dann die Iraner, die sich auflehnen möchten profitieren können. Mit einer Spende von € 10,- kann man helfen, das Recht auf Information in Iran zu ermöglichen. Avaaz heißt Stimme in vielen asiatischen Sprachen (unter anderem auch auf Farsi) und ist eine NGO, die seit ihrer Gründung 2007 viele lobenswerte Petitionen zusammenstellte und mit ihren globalisierungskritischen, menschenrechtsorientierten Forderungen half die Massen zu mobilisieren. Avaaz übt Macht aus, die Macht der Stimme. Über das Internet werden Petitionen aufgestellt, die sich öffentlich gegen Verletzungen von Menschenrechten, gegen die Verhärtung religiöser Konflikte und für Aufklärung des Klimawandels betreffend einsetzen. Die Ergebnisse dieser Petitionen werden dann Konsulaten und Regierungsträgern geschickt. Wenn man bedenkt, dass rund 1,5 Millionen Unterschriften für eine Verstärkung des Dialogs zwischen Dalai Lama und der chinesischen Regierung zustande kamen und auf dem Schreibtisch chinesischer Behörden landeten, so macht das schon Eindruck.
Wenn den Menschen In Iran das Recht auf Stimme entzogen wird, so liegt es an der restlichen Welt sich für diese einzusetzen, die eigene Stimme zu erheben für die Stimmlosen. Émile Zola hat das für den unschuldigen Alfred Dreyfus getan. Sein „J’accuse” wurde zum Zeichen dafür wie viel Macht eine öffentliche Stimme haben kann. Eine einfache Rechnung, wie viel Macht hundert tausende öffentliche Stimmen haben können.
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