Wenn Du in Berlin lebst und Dir kein Dreitagebart wächst, musst Du kreativ werden um Deinem Männerideal zu entsprechen. Zum Beispiel mit dem Rad nach Prag fahren, wenn wetter.de gefühlte null Grad voraussagt. Die Rechnung war folgende: Wenn Wetterdienste zu 20% richtig liegen, dann wird ja bei 80% Regenwahrscheinlichkeit zu 64% die Sonne scheinen. Und obwohl mein Mitfahrer Mathematik studiert ging der Dreisatz nicht auf – schon in Prenzlauer Berg wich die Radlerleggins der Regenhose.

„Radweg zur Hölle“ schrieb ein Mahnmal in Brandenburg. Aktivisten wollten damit eigentlich auf CO2 Endlagerstätten aufmerksam machen. Die Doppeldeutigkeit traf ins Schwarze: Wir warteten mit Dino und Bike auf den Rücken geschnallt durch ein Überschwemmungsgebiet. Erdrutsche und Abgründe taten sich auf.

Als in Tschechien die Luft dünner wurde, spritzen uns die durchdrehenden Reifen den Schnee ins Gesicht. 550 Kilometer geschrubbt, die Spreequelle entdeckt, gelernt was Tschechen unter Radwegen verstehen (Autobahnen oder Trampelpfade), wurden wir mit böhmischen Fleischpfannen belohnt. Ein Preis-Leistungs-Verhältnis, dass uns der Neuköllner Döner für einen Euro, als die reinste Abzocke erscheint!

Der Initiationsritus war äußerst erfolgreich: Als Jungs losgefahren, als gefühlte Großväter zurückgekommen, mit Knieschmerzen und einem Tag-Nacht-Rhythmus, mit dem wir selbst in Sachsen-Anhalt als spießige Frühaufsteher gelten würden. Sogar ein paar Bartstoppeln zeichnen sich ab - eine super Tour!

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