Man kennt ihn mit Rosen, man kennt ihn mit orangenen Schleifen. Nun wird Umsturz gezwitschert. In Moldawien formierte sich eine revolutionäre Bewegung über das Internet.
Es scheint fast schon obligatorisch, dass die Bevölkerung unzufrieden ist mit dem Wahlergebnis, wenn in ehemaligen Sowjetrepubliken gewählt wird. Weißrussland 2003, Ukraine 2004, Moldawien 2009.
Anfang April dieses Jahres war es wieder so weit. Moldawien, ein ehemaliger Teilstaat Rumäniens, hatte Parlamentswahlen abgehalten. Der große Gewinner hierbei: der kommunistische Flügel. Jetzt ist es nicht weiter verwunderlich, dass über die Reinheit der Wahlergebnisse spekuliert wurde, dass man den Gewinnern Wahlbetrug vorhielt; manipulierte Medien, Stimmenfälschungen - hier sollten doch tatsächlich Verstorbene den Urnengang geschafft und im Ausland lebende Moldauer mit gewählt haben. Auch Minderjährige haben anscheinend für die Kommunisten gestimmt. Ist der kleine Staat zwischen Rumänien und Ukraine zwar einer der ärmsten auf dem eurasischen Kontinent, doch gibt es auch hier die Möglichkeit, seinen Unmut weltweit öffentlich zu veräußern. Ein Land, das größtenteils von Landwirtschaft lebt kann sich auch nicht von der Ausbreitung des Internets verschließen. So finden sich auch hier Leute, die die Möglichkeiten blitzschneller Informationsverteilung nutzen und zum Protest aufrufen. Werkzeuge wie Twitter eignen sich besonders gut ob ihres leichten Zugangs und kostenlosen Nutzung Massen zu mobilisieren.

Foto: Dan Pattesron
»Sechs Leute, zehn Minuten Brainstorming, ein paar Stunden lang SMS verschicken, und schon hast du 15000 Leute auf der Straße«
Natalia Morar, blogJournalistin Think Moldova
Dass der Protest gegen den Wahlausgang in gewalttätigen Ausschreitungen endete, kann man Twitter nicht vorhalten. Es war kein mittels Twitter geplanter Kleinkrieg von Unruhestiftern mit der Obrigkeit. Es ist vielmehr der Informationsaustausch, und die schnelle Publikation von Neuigkeiten, die Twitter in eine Rolle des Partizipierenden lenkt. Keine Twitter-Revolution. So kann dieses Forum nichts für die Gewaltbereitschaft junger Revolutionärer. Nein, das Phänomen Twitter ist ein anderes. Heutzutage kann jeder, zu jeder Zeit von überall zu jedem überall Kontakt aufnehmen. Man kann Twitter also so nutzen, um sich auszutauschen, man kann aber auch allerlei Gutes damit tun.
Die caritative Nutzbarkeit Twitters äußerte sich im Februar dieses Jahres. Twitter hat mit dem Twestival gezeigt, dass es eine Ausnahmeposition einnimmt, um Gutes zu tun. Hierbei handelte es sich um einen über Twitter initiierten Event in mehr als 200 Städten der Welt, bei dem für eine NonProfit Organisation, charity: water gesammelt wurde. Diese hilft, in Entwicklungsländern wie Afrika und Indien Brunnen und andere Formen von Wassergewinnung zu erschließen und hat laut eigener Angaben bereits $ 250.000 über die Twestival-Veranstaltungen eingenommen. Bei diesen Veranstaltungen trafen sich Interessierte aus einer Stadt zusammen, um gemeinsam einen Abend zu verbringen und dabei Spenden zu sammeln. Organisiert wurde dies von Freiwilligen und mit unterschiedlicher Ausgestaltung. Angefangen hat alles mit der Idee, die Menschen hinter den Avataren kennenzulernen, gemeinsam Karaoke zu singen und dabei etwas für einen guten Zweck zu tun. Zusätzlich wurden andere Funktionen wie Twestival.fm eingerichtet, bei denen der Nutzer durch den Kauf oder das Hochladen von Musik charity:water unterstützt oder direkt zu der Organisation verlinkt wird, um dort direkt zu spenden.
Ob das Sammeln von Spenden für den guten Zweck, den Austausch von privaten Informationen oder nun auch das Zusammenrufen von Umstürzlern in Moldawien, der Twittertrend scheint kein Ende nehmen zu wollen.
Ist Twitter jetzt bloß eine bunte Spielwiese für Selbstdarsteller, Spendensammler, Politiker oder Revolutionäre? Ein Hort der unendlich weit reichenden Vielfalt des Weltweitnetztes? Und was darf man alles ernst nehmen? Fest steht jedenfalls, dass immer mehr Menschen sich dieses Mediums bedienen und dass es immer notwendiger scheint, es zu tun. Abzuwarten bleibt, ob es denn bald als obsolet gilt die Zeitung aufzuschlagen, um sich über das Weltgeschehen zu informieren. Denn ein Vöglein hat bestimmt schon seine 140 Töne hierzu gezwitschert.
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