Greenpeace stellt sich in Zeiten der Internetplattformen der wichtigen Aufgabe seine Aktiven zu vernetzen. Mit dem Start der beta-Version von GreenAction.de ist seit gestern der Weg geebnet worden, einen unmittelbaren Kommunikationsfluss der Umweltschützer zu gewährleisten. Mit ihrer Online-Campaigning-Plattform möchte der wohl berühmteste Umweltschützer weltweit nicht nur seine eigenen Mitstreiter vernetzen, es sollen auch neue Aktive geworben werden. Der Clou an der ganzen Sache ist, dass sich innerhalb dieses Kommunikationsnetzes neue Möglichkeiten ergeben und sich handlungswillige Aktivisten zusammentun können, um möglichst effektiv und geschlossen zu agieren.
Das Prinziip erinnert an Plattformen wie studiVZ und Derivate. Doch geht es hier nicht darum, über den einen Dozenten zu lästern, oder in Erfahrung zu bringen wohin der süße Kommilitone aus dem Didaktik-Seminar am Wochenende hingeht.
Greenpeace 2.0 lautet die Devise: Wer sich registriert, kann sich laufenden Kampagnen anschließen, sich an Aktionen beteiligen oder eigene Kampagnen ins Leben rufen und dann Leute dazu einladen. Kommunikation und Vernetzung ist den bereits etablierten social communities nicht unähnlich. Es hat aber ein anderes Vorzeichen. Die Idee hinter der Plattform ist ganz klar ausgerichtet: Runter von der Couch und raus auf die Straße! Das geht am besten, in dem man sich vorher im Internet verständigt hat. Ein Imagefilm macht mit seinen schicken Bildern deutlich, dass gemeinsame Aktionen etwas bewegen können. Jeder hat die Möglichkeit Kampagnen zu organisieren und über diesen Weg schnell ähnlich denkende dazu einzuladen. Wie das dann konkret aussieht, entscheidet jeder selbst. Das können dann Informationsveranstaltungen sein, das können Aktionen nach dem Motto „Kohle nur noch zum grillen“ sein. Interessant erscheint der Aufruf zur Bundestagswahl 100.000 Ökostromhaushalte zu schaffen. Die „Wechselwelle“ soll das Land überschwemmen. Man konzentriert sich bislang stark auf den Atomausstieg und den Klimawandel. Was man in dieser Testphase der Seite schon sehen kann, ist die Einfachheit der Problematisierungen. Erklärt wird das ungefähr so:
Problem: Krümmel ist unsicher. Ziel: Krümmel abschalten.
Ein einfaches Prinzip das funktioniert. Jeder, der sich registriert, kann Freunde einladen, Fotos hochladen, in Gästebücher hineinschreiben und Nachrichten versenden. Derzeit genügt eine gültige E-Mail-Adresse. Man kann sich anonym anmelden.
Alles in Allem ein bekanntes Prinzip. Was sich hier aber als Neuheit erweist, ist das Campaigning. Man kann aus verschiedenen Bereichen wie Atomausstieg und Klimawandel wählen. Zudem gibt es so genannte GreenIts, ein Bewertungssystem mit Sternchen, bei dem der User die einzelnen Kampagnen je nach eigenem Zuspruch bewerten kann und dessen Ergebnis für die anderen Nutzer sichtbar ist. Daran kann man sich orientieren und besonders häufig aufgerufene und bewertete Kampagnen schneller sichten. Hierin wird die Motivation angesprochen, seine Projekte vielen Usern schmackhaft zu machen. Das hierbei entstehende Ranking gibt es dann auch für die User selbst, das heißt konkret, dass sich eine weitere Motivation entwickelt, besonders häufig und viel aktiv zu werden.
Greenpeace ist zwar der Schirmherr dieser Plattform, dennoch sind andere außen stehende Organisationen nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil, es geht bei GreenAction.de darum einen möglichst starken Verbund zwischen den verschiedenen Organisationen zu schaffen. Auch hier sieht man den Zusammenschluss als eine größere Chance Bewegung zu schaffen. Konkurrenz bringt der Umweltbewegung herzlich wenig. Deswegen ist das Portal jedem zugänglich. Besonders junge Menschen soll das Portal werben.
Das Vorbild für solch ein Netzwerk kommt wie so häufig aus den USA, wo Online-Campaigning seit längerem eingesetzt wird, um Leute mit gleichem Bewusstsein zusammenzubringen. Wenn es schon so viele dieser Netzwerke gibt, dann ist ein Umweltportal ein wichtiger Schritt in die Richtung, um globale Probleme wie Klimawandel mit globalen Augen zu betrachten. Es verbindet Menschen zu einem gesunden Bewusstsein der Umwelt gegenüber, bündelt Aktionen und macht auf diese aufmerksam.
Wie sich das Projekt entwickeln wird, wenn die Testphase abgeschlossen ist und es dann am 01. August richtig losgeht, wird sich zeigen - es wird wohl nicht das neue facebook werden. Allerdings bietet GreenAction.de eine Vielzahl von Chancen in Zukunft die Massen zu mobilisieren, wenn es dann wieder einmal heißt David gegen Goliath oder Greenpeace gegen…
