Nach dem Wahlsieg Barack Obamas vergangenen Herbst erschien bei vielen seiner Unterstützern im Posteingang ihrer E-Mail Accounts und Handys die Nachricht „Thank you for your support. Barack.“ Dass hierbei nicht nur die sonst üblichen Großspender ihren Beitrag zollten, sondern auch viele Kleinspender partizipieren konnten verdanken wir der Möglichkeit, Wahlkampf mittels Mobiltelefon aktiv mitzugestalten und zu betreiben.
Im Superwahljahr 2009 wollen nun auch die deutschen Politiker, dem Vorbild des „Web 2.0 Präsidenten“ folgen. Nach dem Motto „von Obama lernen, heißt siegen lernen“ regen sich die Wahlkampfstrategen im Internet und nutzen neben bereits vorhandenen eigenen Communities immer häufiger bereits etablierte und viel genutzte Foren wie StudiVz und Facebook. Die Chancen von Internet und Mobilfunk, kostengünstig viele Menschen zu verbinden, bedeuten nicht nur Einsparungen auf Seiten der Parteien. Die neuen Medien eröffnen dem Wähler Wege, selbst aktiv zu werden, sich zu engagieren und somit nicht nur passiver Teil einer „Versprechensoffensive“ zu bleiben.
Mary C. Joyce, New Media Operations Managerin des Obama Wahlkampfs und Mitarbeiterin bei DigiActive - einer Nichtregierungsorganisation, die politischen Aktivisten in Schwellen- und Entwicklungsländern die Nutzbarkeit digitaler Technik näher bringt – nennt hierfür treffend die Vorteile des multimediealen Wahlkampfs: mehr Leute können mobilisiert werden; sie können sich direkt am Geschehen beteiligen und auch einen kleinen Betrag spenden. Viele kleine Spendenbeiträge von Massen statt wenige große von Klassen. Doch hat dies in keinster Weise einen Qualitätsverlust zu bedeuten. Demokratie wird dadurch demoktratischer, wenn die Basis breiter wird. Doch wird der Wähler nicht nur durch das Spenden in den Wahlkampf integriert, er erhält gleichsam Informationen über den Verlauf und Erfolge seiner unterstützten Partei. Der Kontakt der Großen zu den Kleinen ist unmittelbarer. So wurde die Kandidatur zur Vizepräsidentschaft von Joe Biden in den USA via SMS versandt.
„Das war Teil unseres Ansatzes, direkt mit dem Wähler in Kontakt zu treten. Traditionellerweise erfährt zuerst eine Gruppe von Reportern Ankündigungen dieser Art. Stattdessen entschied sich das Wahlkampfteam dafür, diesen Moment weniger exklusiv zu gestalten, und jeden mit einzubeziehen, der SMS und E-Mail-Nachrichten von Obama abonniert hatte.[…]“
Mary C. Joyce (Interview mit taz.de, 03.04.2009)
Wer will, kann somit bequem und schnell über den neuesten Stand seiner Favoriten informiert werden. Überall und ohne großen Aufwand. Nun ist der Wähler derart in den Prozess des Wahlkampfs involviert. Vermutlich interessieren ihn auch die Kosten für die laufenden Kampagnen und Projekte. Wahlkampf wird in Zeiten einer immer moderneren, technisierten Gesellschaft immer teurer. Der Wähler von heute will unterhalten werden.
Blogs, E-Mails und ihre Geschwister der neuen Medien ermöglichen neben ihrem hohen Unterhaltungsgrad eine Reduzierung der Kosten für eine Kampagne. Mit wenigen Mitteln kann man eine enorm breite Masse an Interessenten erreichen. Faktisch rechnet es sich mehr, SMS zu versenden als einen „aufwendigen“ TV-Werbespot on air zu schicken. Anstatt Sendezeiten zu bezahlen, genügt es ein Video ins Netz zu stellen. Kosten für die Präsenz in der Öffentlichkeit können deutlich gesenkt werden.
„Bei digitalem politischem Engagement dreht sich alles um große Zahlen bei niedrigen Kosten. Man kann ohne große Ausgaben eine internationale Kampagne führen, mit einem Blog, E-Mails und einer Facebookseite. Es ist die Möglichkeit, Geld und Macht zu trennen, was digitale Technologien so interessant macht.“
Joyce (ebd.)
Ob die Politiker sich gegenseitig überbieten, wer die meisten Klicks auf der jeweiligen Facebook-Seite hat, wie sich die restliche Internetpräsenz der Parteien wandelt, wird sich zeigen. Dass auch die Vertreter des Volkes heutzutage überall anwesend sein müssen, um nicht den Anschluß zu verlieren, bestätigt die derzeitige Bewegung im Internet. Dem Wähler von heute bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten, wie er ausgehen wird, der Wahlkampf 2.0.
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